Grausam, wenn man keine Zeit hat! Unerträglich, wenn man deswegen nicht auf Fahrt gehen kann. Dem daraus erwachsenen Unmut machten wir auf dem Weg zur Mensa Mitte Juni nun fast täglich natürlich nur verbal Luft, und so dauerte es nicht lange, bis wir kurz entschlossen den nächstbesten Ryanair-Flug buchten, um endlich wieder unterwegs sein zu können.
Prolog
Aber eins nach dem anderen … wir das sind Daniel und Chriki™ zwei (mittlerweile ehemalige) Studenten hatten Mitte des nunmehr fast abgelaufenen Jahres gerade unsere Abschlussarbeiten hinter uns bzw. steckten noch mitten drin. Der glückliche Rest des Stammes würde bald die schottischen Highlands erkunden, während wir zwei arme Teufel zu Hause an unserer Zukunft schrauben mussten. Unsere traurige Lage wurde uns Tag um Tag bewusster und war immer öfter Thema der Mittagspausen in der Mensa.
Eines schönen Nachmittags suchten wir uns kurz entschlossen einen Internetzugang, surften die Webseite des beliebten Billigfliegers Ryanair an und hielten Ausschau nach Zielen in wärmeren Gefilden. Ende Oktober, so unser Plan, würden wir unsere Abschlüsse in der Tasche haben und dann direkt bei der ersten Gelegenheit wieder auf Fahrt gehen. Dem Mittelmeerraum galt unser Hauptaugenmerk, denn Ende Oktober würde es nördlich von daheim wahrscheinlich schon schön winterlich sein, während sich in unseren Breiten ungemütliches Herbstwetter breit machen würde. Also Süden. Wir waren überrascht, wie sehr das Streckennetz unseres Wunschfliegers in den vergangenen Jahren gewachsen war, und so fiel die Wahl zwischen den zahlreichen warmen Zielen nicht leicht. Letztendlich machte Sardinien das Rennen; Hin- und Rückflug waren mit insgesamt gut 90 Euro pro Person hier am günstigsten zu haben. Die Buchung war schnell abgeschlossen und wir konnten beginnen, die Tage zu zählen, bis wir das nächste Mal auf Fahrt sein würden.
Mehr der Form halber, als uns einstimmen zu wollen (geschweige denn zu müssen), erkundigten wir uns noch ein wenig über unser Ziel, speziell zu den örtlichen Bestimmungen, was Feuermachen und Übernachten in der Natur angeht. Verschiedene Quellen erklärten das Oktoberende zum Beginn der Regenzeit und so waren wir frohen Mutes, ohne Probleme den einen oder anderen Fahrtenabend mit einem gemütlichen Feuer ausklingen lassen zu können, ohne die halbe Insel in Brand zu stecken.
Für die nächsten Monate war das erst mal alles an Vorbereitungen für unsere Fahrt. In Sachen Sardinien setzten wir uns erst vier Tage vor Abflug wieder zusammen, um grob unser Essen zu planen und einzukaufen. Alles Weitere würde sich schon finden. Es konnte also losgehen.
Büchenbeuren zu nächtlicher Stunde
Um kurz nach halb elf Uhr abends konnten wir endlich Lebach hinter uns lassen. Das Flugzeug nach Alghero sollte wenige Stunden später, um zehn nach sieben vom Rollfeld des Flughafens Frankfurt-Hahn abheben. Um nicht in aller Herrgottsfrühe noch einen Parkplatz suchen zu müssen, hatten wir uns dazu entschlossen, bereits am Abend hochzufahren und in der Nähe des Flughafens zu nächtigen. Unsere Abfahrt daheim wurde leider etwas später als angedacht, da Daniel erst vor wenigen Stunden von einer Preisverleihung aus Hamburg zurückgekommen war. Aber wie auch immer, nun waren wir endlich wieder unterwegs!
Die Parkplätze des Flughafens kamen für uns nicht in Frage, da selbst der günstigste für die gute Woche, die wir unterwegs sein würden, knapp 50 Euro kosten sollte. Unser Plan war, irgendwo in einem der vielen kleinen Orte in Flughafennähe umsonst zu parken und dann in einer kleinen Nachtwanderung Richtung Flughafen zu marschieren. Im ersten Ort, den wir ansteuerten, hatten scheinbar schon mehrere Leute die Idee gehabt zu parken, denn hier empfing uns am Ortseingang direkt ein Schild, das eine Parkverbotszone auswies. Weiter ging es also in das nächste Kaff, Büchenbeuren. Hier fanden wir ein lauschiges Neubaugebiet, in dem wir neben einem unbebauten Eckgrundstück Daniels Wagen abstellten, die Rucksäcke sattelten und uns zum Flughafen aufmachten. Jetzt hatte die Fahrt richtig begonnen!
Nach einem Abstecher in die Büchenbeurener Sparkasse und einem Marsch von etwa einer halben Stunde, erreichten wir das Flughafenterminal. Hier versicherten wir uns, dass die Abflugzeit sich nicht geändert hatte und machten uns auf die Suche nach einem brauchbaren Schlafplatz für die kurze Restnacht. In den Flughafen selbst wollten wir uns nicht legen und wegen der dichten Bebauung im Umkreis des Abflugterminals fanden wir erst etwa zwanzig Minuten außerhalb ein ruhiges Plätzchen unter einer alten Eiche.
Hektik beim Check-In
Trotz unserer relativen Nähe zum Abfertigungsschalter, gestaltete sich unser Check-In am Morgen etwas hektisch. Im Eifer des Gefechts musste Daniel sein Taschenmesser gegen eine Gebühr von fünf Euro am Infoschalter des Flughafens zurücklassen, da er vergessen hatte, es für den Flug in seinem Rucksack zu verstauen.
Um uns von diesem ärgerlichen Umstand abzulenken, begannen wir damit, uns über die schikanösen und dennoch sinnlosen Sicherheitsvorschriften am Flughafen auszutauschen. Spontan fielen uns mindestens ein Dutzend Möglichkeiten ein, wie man es trotz der ganzen Schikanen ohne allzu große Probleme schaffen könnte, ein Flugzeug in seine Gewalt zu bekommen speziell im Hinblick auf das „Schmuggeln“ von gefährlichen Gegenständen, die in den Sicherheitskontrollen nicht auffallen würden. Details möchten wir an dieser Stelle nicht nennen, auch wenn wir relativ sicher sind, dass jeder Terrorist auch ohne unsere Hinweise genügend eigene Ideen finden kann …
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| Unser Flugzeug kurz nach der Ankunft in Alghero |
Der Flug verlief dennoch ohne Zwischenfälle. Auch unsere Rucksäcke konnten wir wieder heil am Gepäckband in Alghero in Empfang nehmen, was zumindest teilweise unserer dreisten Ausnutzung von Murphy’s Law zuzuschreiben ist Details zu unserem Kniff möchten wir hier nicht näher erläutern, können bei Interesse aber gerne bei uns erfragt werden :-).
Spirito da ardare
Weil Brennspiritus, mit dem wir unseren Trangia-Kocher befeuern müssen, im Flugzeug nicht erlaubt ist, musste dieser vor Ort gekauft werden. Aus Zeitmangel hatten wir uns vor der Fahrt auch noch keine Wanderkarte besorgen können, weshalb diese ebenfalls erst nach Ankunft im Zielgebiet gekauft werden sollte. Um unsere Chancen für einen erfolgreichen Kauf an diesem Sonntag zu erhöhen, fuhren wir mit dem Bus vom abseits gelegenen Flughafen in das zirka zwanzig Minuten entfernte Zentrum von Alghero.
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| Chriki™ in der Altstadt von Alghero |
Schon am Flughafen war uns aufgefallen, dass die Leute hier außer Italienisch kaum andere Sprachen beherrschten. Die wenigen, die sich anmaßten, „a lietal“ Englisch zu sprechen, konnten im Prinzip gar nichts und weil wir kein Italienisch sprechen, musste schon recht bald unser Nothandy seinen Dienst aufnehmen: Wir schrieben eine schnelle SMS an eine Freundin, die sehr gut Italienisch spricht, mit der Bitte zur Übersetzung des Wortes „Brennspiritus“. Das Ergebnis: „spirito da ardare“. Alles klar. Mit diesem Wort bewaffnet machten wir die ganze Stadt unsicher, aber wirklich absolut niemand konnte mit dem Begriff etwas anfangen. Und bevor jemand fragt: Nein, an unserer Aussprache lag es nicht, denn auch mit der aufgeschriebenen Version wurde uns mehr und mehr klar, dass es das Wort so im Italienischen nicht geben konnte. Eine 75 000er Wanderkarte hatten wir schon nach wenigen Minuten erwerben können, Stunden später waren wir aber mit unserem „spirito da ardare“ genau so weit wie bei unserer Ankunft.
Weil wir die ganze Stadt schon umgekrempelt hatten, beschlossen wir, es ohne Spiritus zu versuchen und machten uns am frühen Nachmittag in nördlicher Richtung auf, die Stadt zu verlassen. Am Ortsausgang passierten wir einen Campingplatz, wo wir noch ein letztes Mal unser Glück versuchten. Der Campingladen hatte alles an Brennmaterial fürs Kochen in seinem Sortiment außer Brennspiritus. Wahrscheinlich waren es unsere verzweifelten Minen, die die Campingplatzbesitzer mit einigermaßen brauchbarem Englisch nach unserem Anliegen fragen ließ. „Spirito da ardare“ war denen zwar auch unbekannt, aber als wir von unserem Kocher erzählten, hatten sie eine Idee und zauberten eine Flasche „Alcool“ unter der Theke hervor. Das war die sprichwörtliche Rettung in letzter Minute! Für zwei teure Euro bekamen wir einen halben Liter feinsten Brennspiritus und waren damit so glücklich wie den ganzen Tag noch nicht. Die Karte und den Alcool im Gepäck konnten wir nun unbeschwert die erste richtige Tagesetappe in Angriff nehmen.
Mediterran³
Prima. Was sollte jetzt noch schief gehen? Wir hatten eine brauchbare Wanderkarte erstanden und nach einem halben Tag auch Problem zwei, den Brennspiritus kaufen können. Der aufmerksame Leser ahnt es sicher schon: Da würde noch ein weiterer, ganz schöner Brocken auf uns zu kommen …
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| Pause am Strand hinter Alghero: Daniel |
Fürs erste waren wir aber zufrieden und konnten unser Augenmerk auf die Umgebung richten. Zunächst einmal war es auf Sardinien viel wärmer, als wir zu Hause noch vermutet hatten. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass es die ganze Woche über immer knapp unter 30 Grad warm war. Dann fiel die Vegetation ins Auge, die sich doch sehr deutlich von der heimischen Flora unterscheidet: Pflanzen, die bei uns zu Hause als Zierpflanzen gehalten werden, wachsen auf Sardinien wild, und viele Bäume, die bei uns an jeder Straßenecke stehen, gibt es hier gar nicht. Ansonsten sehen die meisten Ortschaften so aus, als seien sie aus dem „Klischeebuch mediterraner Architektur“ abgebaut worden. Sehr interessant, sich in diesem Umfeld zu bewegen wie im Fernsehen!
Problem 3 bis 300
Als unser erstes Fahrtenziel hatten wir die „Grotta di Nettuno“, die Neptunsgrotte auserkoren. Diese liegt hinter einer großen Bucht am Kap einer Landzunge. Diese Bucht würden wir umrunden müssen und dann noch die Landzunge hinabwandern. Von Alghero aus konnten wir das Kap bereits im Meer liegen sehen. Am Rand der Bucht lagen laut Karte mehrere Berge, die auch durch Wanderwege erschlossen sind. So steuerten wir zunächst den Munte Palmavera an, den wir auch an diesem Abend noch zu einem guten Stück erklimmen konnten.
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| Durstiger Chriki™ beim Anstieg zum Munte Palmavera |
Auf dem Weg nach oben kündigte sich uns das nächste Problem dieser Fahrt in Form von immer stärker werdenden Kopfschmerzen an: Wir hatten noch viel zu wenig Wasser im Vergleich zu dem Durst, der sich bei dem schweißtreibenden Anstieg eingestellt hatte. Auf der Karte hatten wir einen Bach entdeckt, an dem wir unsere Flaschen auffüllen wollten. Mehr als ein ausgetrocknetes Bett konnten wir davon aber nicht mehr finden. Nach diesem Muster ging es die nächsten Tage auch weiter. Immerhin konnten wir so erfahren, wie sich echter Durst anfühlt und wie schwierig es sein kann, mit kostbarem Wasser haushalten zu müssen. Auch wenn man gerade mal wieder in Schweiß zerfloss und einem die Kehle brannte, so konnte man aus der gelegentlich vollen Flasche kühlen Wassers doch immer nur klitzekleine Schlucke trinken.
An diesem ersten Fahrtenabend schliefen wir am Wegrand in einer Blätterhöhle im Gebüsch. Auf weiche Tannennadeln gebettet schliefen wir bei sternenklarem Himmel trotz weiterhin leichtem Durst sehr gut.
Wassergeschenke
Tag zwei unserer Fahrt begann so, wie der erste Tag aufgehört hatte: Wir stiegen weiter den Munte Palmavera hinauf, den Durst als ständigen Begleiter. Kurz vor Mittag waren wir bereits beim Abstieg und hatten nur noch wenige Tropfen Wasser. Unser Ziel war ein Campingplatz, auf dem wir nach dem Lebenselixier fragen wollten. Auf dem Weg dahin begegneten wir zwei Schäfern, die ihre Blöker-Herde suchten. Wir kamen ins Gespräch, so weit das allein mit Händen, Füßen und einem Phrasenbuch Italienisch möglich war. Am Morgen hatten wir uns einen tollen Satz zusammengebastelt, mit dem wir am Campingplatz Wasser erbeten wollten: „Dove aqua?“ Wo gibt es Wasser? Die Schäfer waren unser erstes Versuchsobjekt und rückten auch gleich eine Zwei-Liter-Flasche Wasser raus. Tausend Dank! Auf dem Weg zum Campingplatz wurde diese Flasche auch fast komplett gekillt selbstverständlich langsam und genüsslich. Wir wollten unseren Flüssigkeitshaushalt halt schon wieder auffüllen, zumal wir am Campingplatz ja Nachschub bekommen würden.
Aber weit gefehlt … Der Platz war verlassen und lag dort wie ausgestorben. Na toll. Ende Oktober war hier scheinbar wirklich schon die Touristensaison zu Ende. Das zeigte uns auch ein nahes Restaurant, das ebenfalls schon geschlossen hatte. Wir waren damit also im Prinzip so weit wie am Morgen; uns blieb nichts anderes übrig, als weiter in Richtung Neptunsgrotte zu wandern. Mittlerweile hatten wir den Beginn der Landzunge erreicht. Von hier aus ging es an einer glühend heißen Landstraße entlang, immer geradeaus. Jeweils am Horizont gab es den nächsten Straßenknick und nur alle paar Kilometer lag allenfalls ein kleines Haus etwas abseits der Straße; aber auch hier war alles verlassen.
Zu unserer Freude passierten wir am Nachmittag eine größere Hotelanlage, in der wir unser Glück versuchen wollten. Hier waren gerade Gärtner bei der Arbeit und wir trugen gleich frohen Mutes unser Anliegen vor: „Dove aqua?“ Sofort wurden wir (ebenfalls) auf Italienisch zugetextet und hatten das dumme Gefühl, dass wir nicht sehr erwünscht waren und den Männern eher auf die Nerven gingen. Aber einfach aufgeben wollten wir nicht. Wir blieben wie die Zigeuner, die daheim ab und zu klingeln kommen und ihren Fuß zwischen die Tür stellen, einfach stehen und setzten unsere „Habt-Mitleid-Mit-Uns“-Minen auf und warteten. Einer der Männer stieg irgendwann scheinbar genervt in sein Auto und fuhr davon. Die anderen arbeiteten weiter. Ging er uns nun Wasser holen? Oder jemanden der übersetzen kann? Oder den Sicherheitsdienst? Oder seine Schrotflinte? Was auch immer. Wir spielten weiter die Zigeuner und blieben stehen. Nach etwa fünf Minuten kam das Auto zurück. Wir hatten Glück! Der Mann war zwei 1,5-Liter-Flaschen eisgekühltes Wasser holen, die er uns für lau mitgab. Herrlich!
Im australischen Busch
Die weiteren Kilometer Landstraße waren dank unseres bescheidenen Wasservorrats nicht mehr ganz so quälend. Am Abend erreichten wir einen kleinen Ort, in dem es sogar eine Bar gab. Unter dem Vorwand, uns ein Eis zu kaufen, betraten wir den Laden. Die Männer, die dort am Tresen standen, beäugten uns misstrauisch und gingen kurz darauf nach Hause. Wir kauften uns jeder ein Eis und ließen uns bei der Gelegenheit natürlich auch unsere Wasserflaschen auffüllen. Mittlerweile hatten wir neben unseren SIGG-Flaschen genügend Plastikflaschen gesammelt, die wir uns gleich auch alle noch mal auffüllen ließen. Damit war der Abend gerettet und auch fürs Kochen hatten wir fürs erste ausreichend Wasser. Langsam aber sicher lernten wir, wie wir mit unserem Wasser umzugehen hatten. So etwas hatten selbst wir beide alte Fahrtenhasen noch nirgends erlebt. Es bleibt einfach unbeschreiblich, wie man selbst in seinem X-ten Fahrtenmonat noch überrascht wird und auch neue Erfahrungen sammeln darf!
Kurz hinter dem Ort mit der Bar bogen wir in einen von Buschland gesäumten Pfad ein. Wir schlugen uns in die Büsche und bereiteten uns ein gemütliches Nachtlager. Hier sah es so aus, wie man sich den australischen Busch vorstellt: rote Erde, südländische, verkrüppelte Flora ringsumher und die Angst, jeden Moment eine giftige Klapperschlange aus dem Unterholz zischeln zu hören. Aber die Nacht blieb ruhig. Bis es wirklich dunkel war denn nun kamen die Mücken. Viel schlafen konnten wir daher nicht; Schlangen wären uns vielleicht dann doch lieber gewesen. Dann hätten wir jetzt wenigstens noch eine weitere interessante Story zu erzählen gehabt. Aber ach … was soll’s.
La Grotta di Nettuno
Am nächsten Morgen stand wieder Landstraßeschrubben auf dem Programm. Zur Neptunsgrotte gibt es zwei Zugänge: Zum einen kann man von Alghero aus per Boot in die Höhle einfahren; der wahrscheinlich am häufigsten genutzte Zugang führt hingegen über das Kap selbst. Von etwa 160 Metern Höhe aus schlängelt sich eine in den Fels geschlagene Treppe mit gut 650 Stufen zur Grotte hinunter.
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| Einstieg der Treppe zur Neptunsgrotte |
Weil wir über die Landzunge zum Kap kamen, würden wir die Treppe nehmen. Die letzten Kilometer bis zur Grotte konnten wir glücklicherweise über eine Art Wanderweg zurücklegen. Während sich die Fahrstraße in Serpentinen auf die 160 Meter über dem Meer hochschraubte, ging unser Pfad mehr oder weniger richtaus das Kap hinauf. Schweißtriefend und stinkend erreichten wir gegen Mittag endlich den Einstieg zur Treppe; unser erstes Fahrtenziel war erreicht! Aus zwei Gründen waren wir dann doch nicht ganz so glücklich darüber, wie wir uns das erhofft hatten: Zum einen beäugten uns die einigermaßen zahlreich umherstreunenden, mit dem PKW angereisten Touristen wie Affen im Zoo, und zum anderen mussten wir feststellen, dass der Eintritt in die Grotte ein Loch von 20 Euro in unsere Fahrtenkasse reißen würde. Rückblickend können wir bestätigen, dass dieser Punkt nach den Flugtickets und dem Essen die drittteuerste Position auf unserer Fahrtenabrechnung war das ist bitter, zumal sich die Grotte bald als relativ klein herausstellte. Wenigstens war die Treppe ein Erlebnis, das man sich bei einem Besuch Sardiniens nicht entgehen lassen sollte. Vor dem Betreten der Höhle (wo auch erst kassiert wird) kann man bei Bedarf ja wieder umkehren .
Um nicht die ganze Teerstraße über die Landzunge zurück laufen zu müssen, hatten wir uns unterwegs überlegt, mit einem der Boote zurück nach Alghero zu fahren und uns von dort mit dem Bus in ein interessanteres Fahrtengebiet bringen zu lassen. Damit würden wir uns auch den Wiederanstieg über die Treppe sparen, der mit unseren Rucksäcken doch wieder ein ganzes Stück Arbeit werden würde. Nach der kurzen Führung durch die Tropfsteinhöhle erkundigten wir uns bei der Führerin nach den Fahrzeiten der Boote. Leider wusste die Dame nicht so recht Bescheid darüber, ließ sich jedoch entlocken, dass sie sich nicht erinnern könne, ob in den letzten Tagen überhaupt noch ein Schiff gekommen sei. Um diese Jahreszeit würden nur noch sehr selten Schiffe verkehren ach ja. Also auch hier wieder das gute alte Ende der Saison. Hätte in diesem Moment Reinhard Mey sein „Ich liebe das Ende der Saison“ geträllert, wir wären ihm sicherlich an die Gurgel gesprungen … Für mögliche Buslinien ab der Grotte galt übrigens dieselbe Regel, und so trotteten wir nach dem kräftezehrenden Treppenaufstieg und einer längeren Verschnaufpause wieder die Straße auf der Landzunge zurück dorthin, wo wir hergekommen waren.
Das Geheimnis der Funtanas
Kurz vor dem Wanderpfad hinauf zur Grotte war uns am Morgen eine lauschige kleine Bucht aufgefallen, in der zwei Männer badeten. Auf dem Rückweg beschlossen wir, unsere Schweißsalzkrusten gegen Meersalzkrusten einzutauschen und uns in dem noch angenehm warmen, kristallklaren, blaugrünen Meerwasser abzukühlen. An der Bucht lag ein Imbiss, der erwartungsgemäß geschlossen hatte, und so war außer uns beiden nun auch keine Menschenseele mehr weit und breit zu sehen. Gerade als wir uns in die rauschenden Fluten werfen wollten, kamen ältere Herrschaften in die Bucht. Einer der Männer suchte direkt das Gespräch mit uns. Er stellte sich als englischer Ferienhausbesitzer vor, der gerade Freunde zu Gast hatte, denen er mit seiner Frau die schönsten Plätze auf Sardinien zeigte. Er schwamm ein paar Runden mit uns und im weiteren Gespräch kamen wir auch auf die Wasserproblematik zu sprechen, woraufhin wir abermals ganze vier Liter Wasser geschenkt bekamen. Außerdem verriet uns der Mann, wie sie selber an Wasser kamen. In den größeren Hausansammlungen oder Ortschaften gebe es die so genannten „funtanas“, Brunnen, die für die Öffentlichkeit frei zugänglich seien. Ihr eigenes Wasser bekämen sie aus der Funtana von Villa Assunta, was ihrem Häuschen am nächsten liege. Er lud uns ein, bei Problemen keine Scheu zu haben und ruhig bei ihnen vorbei zu schauen. Mit dieser neuen Erkenntnis beschlossen wir unser nächstes Fahrtenziel: die Funtana von Villa Assunta.
Nach dem Baden und nachdem wir uns von den netten Engländern verabschiedet hatten, liefen wir wieder weiter zurück Richtung Norden der Landstraße entlang. Wir passierten den Ort mit der Bar, in der wir noch am Vortag Eis gegessen hatten, und schlugen in einem dahinter gelegenen Wald unser Nachtlager auf.
Gewaltmarsch
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Wassers und des Laufens. Wir wollten noch heute Villa Assunta erreichen, was aber ein beträchtliches Stück Weg bedeutete. Die Aussicht auf unbegrenzte Wasservorräte nahm uns aber die Furcht hiervor und ließ uns sehr gut vorankommen.
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| Leider zu oft gesehen: öde, ellenlange Landstraßen |
Um kurz nach eins erreichten wir einen Supermarkt, in dem wir uns jeder eine Flasche Cola gönnten und neben dem wir unsere Mittagsrast machten. So gestärkt erreichten wir gegen vier Uhr nachmittags mit brennenden Sohlen die Funtana von Villa Assunta. Der Brunnen war eine kleine Mauer am Straßenrand, aus der zwei Wasserhähne ragten. Hier füllten wir unsere Flaschen, so dass jeder von uns sieben Liter Wasser bei sich trug. Außerdem setzten wir uns in eine Bar und leisteten uns zwei Gläser Saft und ein bisschen Knabberkram.
Diesen Abend nächtigten wir an einem See wenige Kilometer hinter Villa Assunta. Zum ersten Mal bauten wir unsere Lok auf; aber nicht, weil es etwa das Wetter notwendig gemacht hätte, sondern allein deshalb, damit wir das Ding nicht nachher ganz umsonst mit uns herumgetragen haben wollten.
Piratennest
Die kommenden zwei Tage sollte es durch die Berge gehen. Unser nächstes Ziel war die alte Silbergräberstadt Argentiera. Zwar konnten wir uns am Vortag in Villa Assunta einen schönen Wasservorrat besorgen, aber weil dieser nun für zwei Tage reichen musste, war dennoch weiterhin eisernes Haushalten angesagt.
Bei strahlendem Sonnenschein führte unser Weg nach Norden uns durch einen ausgedehnten Dünenstreifen in die Bucht von Porto Ferro. Wir waren sofort überwältigt vom Anblick, der sich uns bot: Der Strand war hier von feinem, hellgelbem Sand und wurde nur an wenigen Stellen von bizarren, marmorroten bis kastanienbraunen Felsformationen unterbrochen. Eine Seite der Bucht war ein fast kegelförmiger Hügel, auf dem ein alter, schwärzlicher Turm thronte. Der „Torre Negra“ war ringsum gesäumt von Dornbüschen, die auch sonst die Berge um die Bucht bedeckten. Auf einem der Felsen am Strand stand der „Torre Bianca“, ein weißer Turm, der wie sein schwarzes Gegenstück wohl schon das eine oder andere Jahrhunderte auf dem Buckel hatte. Gegen die Felsen brandeten zarte Wellen türkisblauen Meerwassers und vollendeten das Idyll mit einem beruhigenden Rauschen.
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| Daniel beim Blick auf den Torre Negra |
An diesem bisher schönsten Fleckchen Erde, den wir auf dieser Fahrt erreicht hatten, machten wir eine ausgiebige Pause nicht, weil wir eine Rast dringend benötigten, sondern allein um diesen wundervollen Anblick auf uns wirken zu lassen. Wir konnten vor unserem geistigen Auge regelrecht zusehen, wie hier doppelmastige Piratenschiffe anlegten oder am Horizont vorbei segelten, wie die Posten auf den Türmen neben ihren Kanonen standen und nach feindlichen Schiffen Ausschau hielten, wie Männer in rot-weiß geringelten Blusen am Kai Pulverfässer auf die Schiffe rollten oder einfach wie der dicke Wirt der kleinen Taverne sich selbst einen Schluck aus der großen bauchigen Flasche Rum gönnte.
Wie im Lied
Kurz nach Mittag wollten wir dann doch weiter, damit wir auch tatsächlich in zwei Tagen durch die Berge sein würden. Wir ließen das bezaubernde Porto Ferro hinter uns und begannen dem Weg durch das Buschwerk hinauf in die Berge zu folgen. Schon bald war von dem Pfad kaum noch etwas zu erkennen und so dauerte es auch nicht mehr lange, bis wir ihn vollends verloren hatten. Wir schlängelten uns einfach nach Gefühl in nordwestlicher Richtung durch die Lücken des immer dichter werdenden Bewuchses den Hang hinauf. Die Sonne knallte uns erbarmungslos auf den Leib und trieb uns zusammen mit der wachsenden Steigung Schweißbäche durchs Gesicht. Unsere Rucksäcke mit den kiloschweren Wasservorräten taten ihr Übriges … Immer öfter mussten wir verschnaufen, leider ohne dabei den Wasserhaushalt des Körpers wieder zufrieden stellend ausgleichen zu können. Je höher wir kamen, desto dichter und dorniger wurde auch das Buschwerk. Schnell waren unsere Beine übersät mit roten Linien und wir kamen von Minute zu Minute langsamer voran.
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| Pause im dichten Buschwerk: Daniel |
Gegen halb drei erreichten wir einen Sattel, auf dem wir wieder eine längere Rast einlegten. Die nachfolgenden Stunden kämpften wir uns weiter durch das sardische Buschwerk und fühlten uns mehr und mehr an das Fahrtenlied „Sardegna“ erinnert, in dem es also zu Recht heißt: „Dornen stechen unsre Beine“. Trotz der Hitze gingen wir irgendwann dazu über, bei unseren Zipp-Off-Hosen die Beine hoch zu rollen, um wenigstens ein bisschen gegen die spitzen Stacheln geschützt zu sein und damit auch flotter vorwärts zu kommen. Zum Vergleich: Um eine etwa zweihundert Meter breite, hüfthoch bewachsene Ebene zu durchqueren, brauchten wir knapp eine Stunde.
Die Belohnung
Irgendwann erreichten wir ein Gebiet, in dem zwar die Büsche höher und zäher wurden, dafür aber mit deutlich weniger Dornen besetzt waren. Hier gab es auch wieder mehr oder weniger erkennbare Pfade, die nach den umher liegenden Fladen zu urteilen von Kühen zu stammen schienen. Wir waren inzwischen dazu übergegangen, jede Kuppe und jeden kleineren Gipfel mitzunehmen, um immer einen Überblick über die Gegend zu haben. Nach wie vor hatten wir keinen richtigen Weg gefunden, obwohl es laut Karte einige Pfade geben sollte. Wir waren mittlerweile auf etwa 400 Metern über dem Meer angekommen und das Buschwerk wurde glücklicherweise etwas spärlicher. Kurz bevor die Sonne unterging hatten wir den höchsten Gipfel der Umgebung im Blick und entwickelten dadurch genügend Ansporn, um diesen noch vor der Dämmerung zu stürmen. Und wirklich: Gerade als die Sonne im Meer versank, erreichten wir die höchste Stelle was für ein Belohnung für diesen anstrengenden Tag! Während das Gelände die letzten Meter bis zum Gipfel eher flach anstieg, fielen hinter der Bergspitze des Punta Lu Caparoni raue Klippen 445 Meter steil hinab ins Meer. Hier oben zu sitzen und den Blick über das weite Land schweifen zu lassen, während einem vom Meer herauf eine warme Brise ins Gesicht blies, ist uns als einer der tollsten Momente dieser Fahrt in Erinnerung geblieben.
Im Halbdunkel stiegen wir wieder einige Meter hinab. Wir schlugen auf den beiden weit und breit einzigen flachen, genau isomattengroßen Grasflächen unser Nachtlager auf. Es war bereits dunkel, als wir heute Abend in einer kleinen Felskerbe das Trangia-Ei Nudelwasser erhitzen ließen. Tief im Tal lagen die Lichter der kleinen sardischen Örtchen, während hier oben außer den hellblauen Flammenzungen des Kochers kaum noch Licht die Dunkelheit erhellte.
Einzug in eine Geisterstadt
Die Nacht unterm Gipfel war rückblickend die schönste der ganzen Fahrt. Hier gab es keine nervenden Mücken und auch keine Steine stachen uns durch die Isomatten in den Rücken. Ganz in der Nähe unseres Lagers fanden wir ein kleines Steintürmchen, von dessen Art uns noch einige weitere beim Abstieg an diesem Morgen am wieder gefundenen Weg begegneten. Bald waren wir allerdings wieder verschwunden in tiefen Hecken und erklommen der Übersicht halber auch wieder den einen oder anderen niedrigeren Gipfel. Gegen Mittag hatten wir schließlich einen Schotterweg erreicht, der laut Karte hinab nach Argentiera führen sollte.
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| Argentiera: netter Dorfplatz mit Funtana hier … |
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| … graue Ruinen dort insgesamt war das Örtchen eher gespenstisch |
Um etwa zwei oder drei Uhr nachmittags kamen wir in der alten Silbergräberstadt an. Der Ort war wie ausgestorben und war übersät mit verfallenen Häusern und schlechten Straßen. Hin und wieder liefen uns wild bellende Hunde nach; Menschen sahen wir dagegen kaum. In der Nähe einer Art Dorfplatz ließen wir uns im Schatten nieder und berieten über das weitere Vorgehen. Eigentlich hatten wir uns hier die eine oder andere Mine ansehen wollen, aber mit der Verlassenheit, die dieses Örtchen uns entgegenbrachte, verließ uns auch die Lust hier noch viel länger zu verweilen. Wir machten eine Funtana ausfindig, an der wir unseren fast aufgebrauchten Wasservorrat wieder aufstockten, ehe wir uns in östlicher Richtung daran machten, Argentiera hinter uns zu lassen.
Stalins Zwilling ist ein netter Kerl
Unser nächstes Ziel war Palmadula, was nur über die Autostraße zu erreichen war und einige Kilometer weiter im Landesinneren lag. Von hier aus wollten wir am nächsten Tag einen Bus zurück nach Alghero nehmen, um dort dann auch noch genug Zeit zu haben, um wieder zum Flughafen zu kommen.
Nach etwa einem Viertel des Weges über die öde Landstraße nach Palmadula hörten wir hinter uns ein kleines Traktorchen herantuckern. Das Fahrzeug war nicht mehr als ein Motor mit zwei kleinen Rädern, Sitz und Lenkstange, an dem ein etwa 1,40 Meter auf 1,20 Meter kleiner, roter, offener Käfig mit Rädern hing. Den Sitz nahm ein italienischer Bauer ein, der sich komplett in eine zerfledderte, schmutzige Tarnfleckmontur gekleidet hatte. Mit seinem Schnurrbart stand der Mann dem alten Stalin in nichts nach. Als er uns am Straßenrand laufen sah, hielt er an und redete auf Italienisch auf uns ein. Zwar konnten wir nicht alles verstehen und schon gar nicht viel selber sagen, aber dennoch entwickelte sich ein nettes „Gespräch“, in dem wir unter anderem erfuhren, dass er früher einmal Polizist gewesen war und jetzt im Ruhestand als Landwirt arbeitete. Weil sein Hof bei Palmadula lag, bot er uns sogar an, uns in seinem Käfig bis dorthin mitzunehmen, was wir selbstverständlich sehr gerne annahmen. Stalins Zwilling fuhr uns bis zur Bushaltestelle und erklärte uns, dass wir von hier über Sassari nach Alghero fahren mussten. Zum Abschied schossen wir noch zwei Fotos zusammen mit unserem Fahrer und waren von nun an wieder zu Fuß unterwegs.
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| Chriki™ zusammen mit unserem netten „Fahrer“ |
Es war schon recht spät und so verließen wir Palmadula. Auf einer Weide mehrere hundert Meter hinter dem Ort suchten wir uns eine Schlafstätte. So wie die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, machte sich dichter Nebel breit, der sich auch sofort dazu anschickte, unsere Sachen mit Wassertropfen zu überziehen. Wir deckten unsere Ausrüstung mit den Kohtenbahnen zu, unter die wir uns nach dem Abendessen auch selbst verkrochen. Der Nebel war mittlerweile zum Schneiden dick und die Sicht mit gerade mal knapp drei Metern äußerst bescheiden.
B&B
Die Nacht war mehr als dürftig: Irgendwann waren die Kohtenbahnen so nass vom Nebel, dass auch unsere Schlafsäcke feucht wurden. Außerdem gesellten sich in der Nacht wieder Mücken zu uns, die wie auch immer ihren Weg unter die Planen fanden und uns nicht in Ruhe schlafen ließen. So mussten wir am Morgen erst einmal die beiden Kohtenblätter trocknen, was uns bis etwa 11 Uhr aufhielt und auch erst dann wieder zurück nach Palmadula kommen ließ. Im Ort erfuhren wir, dass der nächste Bus nach Sassari erst um halb vier fahren würde. So waren wir dazu verdammt, einen halben Tag lang herumzusitzen und zu warten.
Die Busfahrt selbst lief dagegen ohne Probleme und war mit drei Euro pro Person wieder äußerst günstig. Von Sassari aus ging es nach einem Aufenthalt von knapp einer Stunde dann für weitere drei Euro zurück nach Alghero.
Zum Ausklang wollten wir uns in Alghero eine Herberge suchen, in der wir ein Zimmer mit Frühstück bekämen („Bed & Breakfast“). Nach einigem Herumirren in der Stadt mussten wir recht schnell von dieser Idee abrücken, da auch hier wieder das allseits anzutreffende „Ende der Saison“ über dem Land lag. Es war schon dunkel geworden und wir waren noch immer in der Stadt, wo wir mit Sicherheit keinen Schlafplatz finden würden. Wir beschlossen zu dem Campingplatz zu wandern, auf dem wir am ersten Fahrtentag unseren Brennspiritus gekauft hatten. Hier würden wir uns wenigstens für den Flug von unseren Schweißkrusten befreien können und wären auch eher in der Nähe einer Bushaltestelle, um von dort aus am nächsten Abend zurück zum Flughafen fahren zu können.
Alles klar dann, …
Die Nacht auf dem Campingplatz war unserer zwar unwürdig, dafür aber für den Nebensaisonpreis (ha, endlich mal nützlich, das Ende der Saison!) von 7,50 Euro in Ordnung. Wir duschten uns am Morgen zunächst einmal ausgiebig. Auch wuschen wir für den Heimflug die vielen Salzränder aus unseren Klufthemden und reinigten bei der Gelegenheit gleich auch noch verschiedene andere Kleidungsstücke, für die wir keine passende Reserve mehr hatten.
Nach dem Abbau der Lok, die wir für diese Fahrt erst zum zweiten Mal aufgebaut hatten, verließen wir den Platz und machten uns auf in die Altstadt von Alghero. Hier wollten wir uns ein Fahrtenabschlussessen gönnen, ehe wir am Abend mit dem Bus wieder zurück zum Flughafen fahren würden. Leider hatten viele Lokale bereits geschlossen oder waren schlichtweg zu teuer, so dass wir letztendlich „nur“ in einer Art Pizza-Fast-Food-Laden („Pizzarium“) für günstiges Geld ein Mittagsmenü verdrückten.
Den Nachmittag verbrachten wir am Kai, da alle Geschäfte wie üblich bis kurz nach vier Uhr geschlossen hatten und es sonst nichts mehr für uns zu sehen gab. Daniel las aus seiner Fahrtenchronik vor und wir schwelgten dabei in Erinnerungen unserer gemeinsamen Fahrt von 2001. Damals waren wir zwei fünf Wochen in Lappland und Östergötland unterwegs gewesen und ließen nun so manches tolle Erlebnis dieser bisher längsten Fahrt von uns wieder aufleben.
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| Sonntagabend in der belebten Altstadt von Alghero |
Ab etwa halb fünf durchstöberten wir ein wenig die Souvenirläden der Altstadt, um unseren lieben daheim Gebliebenen etwas Schönes mitzubringen. Wir verdrückten noch eine leckere Riesenportion „Spachteleis“ und fuhren gegen acht Uhr am Abend dann mit dem Bus zurück zum Flughafen.
… adieu, Sardegna!
In einigen hundert Metern Entfernung vom Flughafen legten wir uns in eine Wiese, stellten den Wecker und verbrachten die letzte Nacht auf Sardinien mit Mückentotschlagen. Anders als beim Hinflug verlief der Check-In an diesem Morgen ohne Stress und um kurz nach elf Uhr hatten wir bereits wieder deutschen Boden unter den Füßen. Auch unser Gepäck war wieder wohlbehalten angekommen. Eine halbe Stunde später saßen wir bereits wieder in Daniels Renault und waren auf der Heimfahrt glücklich darüber, dass auch mit dem Auto noch alles okay war. Viel glücklicher waren wir aber darüber, dass wir endlich wieder auf Fahrt gewesen waren und dass wir insgesamt auch nicht enttäuscht worden sind.
Nachwort
Die Fahrt war wie sollte es anders sein wieder ein (zum Teil) unbeschreibliches Erlebnis. Wir durften trotz der vielen Fahrtenmonate, die wir schon auf dem Buckel haben, immer noch neue Erfahrungen sammeln.
Das Fahrtengebiet selbst würden wir allerdings nicht unbedingt weiterempfehlen. Zum einen fehlten uns einfach schöne Wanderwege egal ob ausgezeichnet oder nicht. Denn leider mussten wir zu viel Landstraße laufen, was einfach öde ist. An anderer Stelle auf der Insel mag es besser aussehen, vor allem in den Bergen im Landesinneren. Hierüber können wir aber nicht wirklich was sagen. Außerdem störte uns die Wasserproblematik doch sehr, vor allem, weil es trotz der späten Jahreszeit noch so akut trocken war. Das allgegenwärtige Ende der Saison tat sein Übriges dazu.
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| Ciao! Daniel verschwindet in Dornsträuchern. |
Nichtsdestotrotz waren die meisten Flecken Natur zumindest schön anzublicken. Schon allein die völlig andere Vegetation als daheim ist ein Erlebnis. Auf der anderen Seite sind die Italiener oder zumindest die Sarden ziemliche Dreckschweine. An so ziemlich allen Stellen, die mit dem Auto irgendwie erreicht werden können, lag Müll und Schutt herum. Und an allen anderen Stellen fanden wir zumindest zu fünfzig Prozent Abfall.
Unser Fazit: Eine Fahrt ist immer zu empfehlen, Sardinien als Fahrtengebiet dagegen nur eingeschränkt.
aus „Rundschlag“ Nr. 41, Dezember 2006 – Artikel ist wegen unklarer Nutzungsrechte gekürzt um den Text des Liedes „Sardegna“; ansonsten sind nur Layout und Bebilderung geringfügig geändert worden.