Wir Wanderfrauen auf Großfahrt


Die Taubenfrauen auf 3-tägiger Fahrt nach Colmar

Text: Bärbel Z.

Gell, sicher wollt Ihr erst mal wissen, was und wer die Wanderfrauen sind. Denn das ist nicht unbedingt jedem Stammesmitglied geläufig.

Nun, wir Wanderfrauen sind Pfadfindermamas, die sich zweimal wöchentlich treffen, um in aller Frühe durch den Wald zu marschieren. Erstens wollen wir fit bleiben und etwas Gutes für unsere Gesundheit tun und zweitens nutzen wir das gemeinsame Wandern zum Erzählen, Besprechen, Austauschen und manchmal auch zum Herzausschütten. Man kann sich nämlich sicher sein, dass nichts ausgetratscht wird. Wir sind eigentlich zu acht, nämlich: Helga K., Margit E., Birgit B., Birgit H., Petra M., Mary H., Johanna L., Bärbel Z. Allerdings ist unser Wandergrüppchen meistens kleiner, weil eigentlich nie alle zusammen Zeit haben.

Wie kam nun die Sache mit unserer Großfahrt? Das war also folgendermaßen:

Am vergangenen Fastnachtsonntag trafen wir uns alle in unserem Pfadiheim, zusammen mit Kind und Kegel (sprich Männern) und feierten Fastnacht. Vorher hatten wir nämlich schon unseren Stamm würdig auf dem Primsweiler Umzug vertreten. So saßen wir also in fröhlicher Runde zusammen, ließen uns Kaffee (usw) und Berliner schmecken und freuten uns darüber wie gut es uns ging. Die Kinder hatten sich verzogen (zum Spielen und Fernsehglotzen), wahrscheinlich hatten sie Angst, sie müssten mit Mama und Papa tanzen. Wir waren also richtig guter Dinge, als wir feststellten, dass wir viel öfter mal was zusammen machen könnten. Wir könnten ja mal so ganz ohne Männer und Kinder allein in den Urlaub fahren. Die Idee war geboren. Die Männer waren sofort Feuer und Flamme (wieso bloß), während so manche tapfere Wandersfrau dann doch zuerst mal fragte: Wie sollen denn die daheim allein zurechtkommen? Die Männer ließen aber nicht mehr locker und zerstreuten alle Bedenken, indem sie eine schriftliche Urlaubsbestätigung aufstellten und allesamt unterschrieben. (Manche wollten uns sogar für 4 Wochen nach Amerika schicken!) Nun, wenn die uns so gerne Lossein wollen, nichts leichter als das. Da uns aber 4 Wochen doch ein bisschen lang und vor allem teuer schienen, einigten wir uns auf ein langes Wochenende. Schließlich wollten wir nach unserer Rückkehr noch alles halbwegs in Ordnung vorfinden (wobei sich diese Bedenken als völlig unnötig herausstellten, denn wir alle fanden unser Zuhause ganz ordentlich und liebevoll vorbereitet auf die Rückkehr der Mama vor!). Also, 3 Tage, aber wohin?

Wir verabredeten uns einige Tage später bei Helga, wo wir zusammen in Urlaubskatalogen stöberten. Tolle Angebote gab’s, wir einigten uns ziemlich schnell auf eine Busfahrt ins Elsass, so richtig mit Halbpension, Weinprobe und vielen interessanten Besichtigungen. Es sollte schließlich die ganze Wandersfrau etwas davon haben: Augen, Seele, Magen. Wir schoben die Fahrt in den September, damit wir uns noch lange darauf freuen könnten und natürlich mussten wir auch noch ein bisschen dafür sparen.

Am 20. 9. war also der große Tag gekommen. Von unserem lieben Schatzen kutschiert, trafen wir uns in aller Herrgottsfrühe in Dillingen, wo der Bus uns abholen würde. So ein kleines bisschen aufgeregt waren wir natürlich, ein bisschen Heimweh war schon dabei. Würde zuhause alles klappen? Würden die Kinder nicht verhungert sein, wenn wir zurück kämen? Und würden wir alle auch miteinander zu Recht kommen? Aber natürlich lief alles gut, die Häuser standen noch, alle Kinder bei bester Gesundheit und wir alle vertrugen uns auch ganz prima!

Unser erstes Reiseziel war Straßburg, wo wir eine Schiffsfahrt durch die Stadt machten. Anschließend gab es noch ein kleines Mittagessen, bevor die Fahrt weiter ging nach Colmar. Hier war unser Ziel, an dem wir auch übernachteten. Nach einer Stadtführung hatten wir noch kurz Zeit, den Isenheimer Altar zu bestaunen, der im UnterLindenMuseum aufgebaut ist. Nach dem Einchecken im Hotel und einer kleinen Pause gab es ein wunderbares 3Gänge Menü, bei dem wir neue Kraft schöpfen konnten. Nach einem kurzen Verdauungsmarsch durch die wunderschön romantische Altstadt von Colmar, fielen wir total geschafft in unsere Hotelbetten. Am nächsten Morgen gab es dann das, worauf wir uns alle riesig gefreut hatten:

Nämlich ein köstliches Frühstücksbuffet, fix und fertig auf dem Tisch, der Kaffee gekocht, Ruhe und Muße und anschließend durfte man einfach aufstehen, alles stehen lassen und in aller Ruhe in den wartenden Bus steigen. Der Tag wurde dann etwas weniger „gemütlich“, denn das Besichtigungsprogramm war ziemlich umfangreich: Trois Epis, Col de la Schlucht, Münster (hier besuchte unser Namensgeber Albert Schweitzer die Schule, sein Geburtsort liegt gleich nebenan, konnten wir aber leider nicht besuchen), sowie Egisheim mit Weinprobe und dem typischen Kugelhupf. Alle Orte hier im Elsass sind herrlich mit Blumen geschmückt, an den Straßenlampen und Brückengeländern und an allen möglichen Plätzen sind Blumen gepflanzt. So eine Blumenpracht hätten wir auch alle gerne bei uns. Aber das Elsass ist ja auch eine der reichsten Regionen Frankreichs.

Müde und hungrig kamen wir am Abend in unser Hotel zurück, wo es wieder ein leckeres Abendessen gab. Auf dem anschließenden Abendspaziergang genossen wir noch einmal die verträumte und geheimnisvoll beleuchtete Altstadt von Colmar.

Leider kam dann auch schon der letzte Tag, an dem es ebenfalls wieder ein voll gestopftes Besichtigungsprogramm gab. Wir besuchten das wunderschöne, mittelalterliche Städtchen Riquwihr, in dem man sich tatsächlich in vergangene Zeiten zurückversetzt fühlt. Dann folgte eine Stippvisite auf der HochKönigsburg, die wir leider im Laufschritt erkunden mussten, um wieder rechtzeitig am Bus zu sein. Von hier oben hat man einen phantastischen Blick über die Rheinebene bis hin zu den Alpen. (Natürlich nur bei klarem Wetter!) Den Abschluss unserer Reise machten wir in Obernai, auch ein ganz reizendes Städtchen, mit Kaffee und Kuchen, mit ein wenig Bedauern und ein wenig Freude auf Zuhause.

Es war herrlich, einmal so ganz ohne Familie und nur mit lieben Freundinnen unterwegs zu sein, noch dazu in einem so schönen Ländchen wie dem Elsass, aber es war auch richtig schön, wieder zuhause zu sein.

Auf der Heimfahrt haben wir natürlich, wie Ihr Euch denken könnt, beschlossen: „Dat loo mache mier nägscht Johr nommo.“


aus "Rundschlag" Nr. 34, Dezember 2002 - Artikel ist ungekürzt; nur Layout und Bebilderung sind geändert worden; Unterüberschrift hinzugefügt.

Konvertierung in HTML: ChrikiTM, März 2004

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