Von Proffis, Leo und Antonio


Unser Stamm erringt einen sehr guten 3. Platz

Text: Max

Freitag, 26.2.1999

Es ist 15.55 Uhr. Mit Hängen und Würgen erreichen ChrikiTM und ich die vierzehnköpfige Gruppe auf Gleis 5 des Dillinger Bahnhofs. Die Zeit reicht gerade noch aus, um die Fahrkarten auszuhändigen, denn auch die Deutsche Bahn ist mal pünktlich (stimmt wirklich). Jedenfalls sitzen wir fünf Minuten später in einem Stadtexpress nach Saarbrücken. Dort steigt Vroni zu. Dann steigen wir in den Pendolino nach Mainz um und von dort in den IC nach Würzburg. Die extra reservierten Sitzplätze können wir zum größten Teil leider erst in Frankfurt in Anspruch nehmen.

Mittlerweile ist es 20.30 Uhr und wir versuchen -wie all die Jahre zuvor- dem Fahrkartenautomat am Hauptbahnhof eine Gruppenkarte zu entlocken- vergebens. Es bleibt uns also nichts anderes mehr übrig, als uns mit einem Dutzend Einzelfahrscheinen auf die Straßenbahnfahrt zum Heuchelhof zu begeben. Dort treffen wir auch die Grimburger, die mit Wolles Geländewagen anreisen. In der Herrenumkleide der Sporthalle üben wir zum wiederholten Male unsere Lieder Ougenweide und das Palästinalied und besprechen mit Werner und Frank die letzten Details. Abends wird dann die Dehnbarkeit diverser Körperteile getestet und mit Tempotüchern Basketball gespielt.

Samstag, 27.2.1999

Nach einem ausgiebigem Frühstück im Vorraum der Halle begeben wir uns, noch recht müde, zum Straßenbahnhaltepunkt und geben sehr zur Freude der Einheimischen ein spontanes Konzert. Vorher veranstalten wir spontan eine Fotosession vor der Halle. Nach der Ablage der Rucksäcke im Foyer des Congress-Centrums wollen wir die Fußgängerzone besichtigen und einen alten Bekannten besuchen. Dieser Bekannte- von uns Meister genannt, ist leider nicht da – dafür finden wir in seinem Restaurant aber Antonio vor, sozusagen den Meister junior. Antonio ist die Gelassenheit in Person, bei ihm muß man ca. 60 Minuten auf seine Cola warten; sie kommt halt direkt aus Amerika. Er hat den wohl einzigartigsten Service in der Bischofsstadt- man kann bei Geldknappheit seine Pizza in Raten bezahlen. Auch sein Computer, der für den Außenstehenden unsichtbar am Handgelenk angebracht ist und ihn mit seinen Preisen beliefert, verwundert uns. Antonio hat eine Vorliebe für italienische Namen und verteilt sie entsprechend: So heißt Oliver Leonardo Di Caprio und Werner kann sich mit dem Namen Giovanni Trapattoni schmücken. Als wir die Pizzeria verlassen, steigt die Nervosität wegen des bevorstehenden Auftritts langsam an. Nun wollen wir den Flohmarkt im CCW besuchen. Dort kann man sein Geld für Lederhosen, Felle, Bücher und für allerlei andere bündische Dinge ausgeben. Auf dem Flohmarkt ist auch Axi, der ein Buch vorstellt und signiert. Der Einlaß für den Singewettstreit, der in diesem Jahr zum 8. Mal stattfindet, ist ab 16.00 Uhr, er beginnt jedoch erst um 17.00 Uhr. Im Gegensatz zu letztem Jahr müssen wir keine Vorausscheidung durchstehen; die 6 Gruppierungen, die in der Kategorie Singekreise gemeldet sind, kommen alle auf die Bühne. Der ersten Beitrag kommt von den Proffis (Zitat des Chorleiters: "Wir sind doch keine Proffis") des Bundessingekreis der KPE, danach starten nacheinander die Kategorien Fahrtengruppen, Stämme, Singekreise und Chöre. Unser Singkreis Olaf Trygvasson kommt als vierter an die Reihe, unsere beiden Lieder klappen trotz einiger kleiner Fehler ganz gut. Schließlich startet der Bundessingekreis der KPE als einziger in der Gruppe Chöre. Als sich die Jury zur Beratung zurückzieht, bringt Axi mit seinem Evergreen Tyr morjak die Stimmung auf den Höhepunkt. Danach folgt die Bekanntgabe der Jury. Eigentlich rechnen viele mit dem gleichen Ergebnis wie im letzten Jahr, doch als der vierte Platz an eine andere Gruppe geht, sind wir uns sicher, besser gewesen zu sein als im Vorjahr. Mit viel Glück und noch mehr Können erreichen wir den 3. Platz. Die Grimburger bekommen in ihrer Kategorie den, wie wir finden undankbaren, 6. Platz. Nun dürfen wir eine Vierecksbahn mit dem Emblem des Singewettstreits und eine häßliche Urkunde mit nach Hause nehmen. Danach wird auf verschiedene Arten gefeiert: Während sich einige damit begnügen, sich ein warmes Süppchen im Vorraum der Schlafhalle zu kochen, machen sich die anderen auf die Suche nach etwas Erfrischendem. Leider gibt es in dem ganzen Neubaugebiet Heuchelhof nur eine Gaststätte, diese ist aber proppevoll. Wir verlassen sie aber bald und machen uns auf den Rückweg.

Sonntag, 28.2.1999
The day after

Heute ist erst mal ausschlafen angesagt, da wir zwei Zugverbindungen zur Auswahl haben. Wie schon am Vortag gehen wir wieder zur Straßenbahnhaltestelle und fahren in die Stadt. Zurück am Hauptbahnhof bleibt uns kaum Zeit Passfotos zu machen; uns gelingt nur ein Durchgang. Dann heißt es Abschied nehmen, einerseits von den Brittenern, anderseits von Würzburg.

Nach einigen Zwischenstops in Darmstadt, Aschaffenburg und Mannheim erreichen wir gegen 18.25 Uhr den Dillinger Bahnhof. Nächstes Jahr kommen wir wieder!


aus "Rundschlag" Nr. 24, März 1999 - Artikel ist ungekürzt; nur Layout und Bebilderung sind geändert worden; Unterüberschrift hinzugefügt.

Konvertierung in HTML: ChrikiTM, Februar 2000

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