Tempelritter im Lande der Scoten und Pikten


Fahrt der Tempelritter nach Schottland - 1997

Text: Daniel, Nickel, Stefan H. aus R., Vroni

Am 10.08. machen sich vier Ranger/Rover des Stammes Albert Schweitzer (Niki, Daniel, Vroni und Nickel) zusammen mit einem Nichtklufti (Stefan H. aus R.) auf in das Land der Highlands, Lochs und Clans.

Nach 32 Stunden Zugfahrt mit Übernachtung auf dem Ramsgater Bahnhof kommen wir in der sehenswerten Metropole Schottlands an. Mit dem teuersten, aber komfortabelsten Campingplatz müssen wir Vorlieb nehmen, da der andere nicht mehr existiert. Das erfahren wir allerdings erst, als wir vor (nicht mehr vorhandenen) Türen stehen. Doch eine n(f)ette Anwohnerin erbarmt sich unser, wirft ihren Mann, ihre Tochter und ihr Baby aus dem Auto und kutschiert uns in zwei Touren zu eben diesem Campingplatz. Sie scheint sich jedoch mit den Verkehrsregeln nicht auszukennen. Zuerst verbannt sie Stefan, der wie gewohnt rechts einsteigen will, nach links, dann fährt sie auf der falschen Seite und zuguterletzt auch noch falschrum durch den Kreisel. Wir schwitzen Blut und Wasser.

Am Abend bummeln wir durch Edinburghs Straßen und verpassen den letzten Bus. So kommen wir in den Genuß einer überaus interessanten Fahrt in einem der urigen schottischen Mafiataxis.

Der nächste Tag ist echt klasse. In der City ist alles auf den Beinen, denn es ist ein Festival im Gange und erstaunlich viele Schotten tragen einen Kilt. Wir gehen die Royal Mile entlang bis zum Castle. Dort steht ein Grinsesoldat, der zum Anlocken der Touristen parat steht. Auch wir lassen es uns nicht nehmen, ein Foto mit dem dämlichsten Grinsen der ganzen Kompanie zu machen.

Dann wollen wir es wissen: was trägt ein Schotte unterm Kilt? Beim Marschieren der beiden Wachen erhaschen Nicole und Nickel nach genauerem Glotzen einen kurzen Blick und erstarren: eindeutig nichts (lechs)! Wir trauen uns aber nicht, noch länger zu gucken, da der Soldat das merkt und anfängt, zurückzustarren.

Am gleichen Tag essen wir auf einem Friedhof die ekligste Pizza aller Zeiten, Länder und Nationen, die selbst das hier lebende Eichhörnchen verschmäht.

Nach einer ruhigen Nacht nehmen wir Abschied von Edinburgh und fahren nach Inverness, dem Tor zu den Highlands Dort finden wir den häßlichsten Campingplatz, den wir je gesehen haben: abgegrenzte "pitches" (4x4m), und zu unserem Übel keine Bäume. Schon der Empfang war alles andere als freundlich. Es reicht noch nicht, daß wir als "fucking scouts" beleidigt werden, nein, man wirft uns als eingefleischte Nazis, Bastarde, Adolfs, ... Steine nach, Nickel wird auch am Kopf getroffen. Den restlichen Tag verbringen Daniel, Stefan und Nickel natürlich damit, Kohtenstangen zu suchen. Schließlich roden wir einen Baum auf einem Friedhof. Die Stadt ist dafür relativ schön, es gibt sogar gälische Straßenschilder. Hier verzehren wir auch unsere ersten Fish'n'chips unseres Lebens, die gar nicht so schlecht sind. Mit diesem typisch britischen Essen placken wir uns auf eine Häusermauer, mampfen und lassen zur Belustigung einer gerade vorbeidackelnden Rentnertourigruppe die Drei-Liter-Limoflasche kreisen.

Karte des Fahrtengebietes

Am nächsten Morgen beginnt dann die eigentliche Fahrt. Von Inverness aus geht es mit dem Bus den Loch Ness hinab nach Fort Augustus, einem kleinen Örtchen an der Südspitze des Sees. Das einzig interessante an diesem Nest ist sein altes Kloster und die Aussicht auf den See. Da Nessie sich nicht blicken lässt, machen wir uns auf den Weg. Da Fort Augustus beinahe auf Meereshöhe liegt und wir hoch in die Highlands müssen, führt der erste Tag unserer Wanderung nur bergauf (es ist extrem schwül und wir machen unsere erste Bekanntschaft der schottischen Insektenwelt). Wir folgen der "old military road", einem 300 Jahre alten, von den Engländern angelegten Trampelpfad, der bis zu den Hochmooren durch einen Wald führt. Als wir am Abend die Kohte aufschlagen, werden wir von einem Unwetter überrascht. Sturzbäche laufen durch die Kohte.

Jedoch scheint morgens die Sonne wieder. Wir verlassen den Wald und machen bald Bekanntschaft mit den schottischen Bächen: Sie haben eine braune Färbung und tragen ungewöhnlich viel Schaum. Erst am Ende der Fahrt erfahren wir, was es damit auf sich hat: Die Ursache ist der torfhaltige Boden. Die Schotten beziehen ihr Wasser manchmal ungereinigt aus primsgroßen Flüssen. Man kann es also bedenkenlos trinken.

Durch schwer begehbare Hochmoore führt uns unser Weg zu einem kleinen Bach wo wir erstmal Mittag machten. Am späten Nachmittag kommen wir in das Glen Moriston (Glen heißt Tal). In einem Gespräch mit einem netten Einheimischen über das Wetter bestätigt er uns, dass es in den nächsten drei Tagen nicht regnen wird. Über eine Teerstraße das Tal hinauf kommen wir zu einem kleinen Nest. Hier in der Nähe wollen wir die Nacht verbringen. Die Warnung eines Anwohners vor den "Midges" schlagen wir in den Wind. Doch um Punkt 7 Uhr sind sie da: kleine Schmeißfliegen die durch jedes Mückennetz krabbeln. Da die Midges jeder Beschreibung spotten, machen wir uns gar nicht erst die Mühe, sie zu beschreiben. Doch eines soll gesagt werden: Schweden war ein Witz dagegen!

Nach einer Stunde steht endlich die Kohte (die Midges verlängern die Sache). In dieser Nacht wird bewiesen, dass man auch in einer Einbein-Kohte Feuer machen kann (wegen der Midges ... ).

Morgens wird eine Krisensitzung gehalten. Aufgrund von Midges-Phobie und einiger demolierter Füße wird mehrheitlich beschlossen, nicht bis an die Westküste zum Eilean Donan Castle bei Domie zu wandern, sondern den Weg über das Glen Affric nach Cannich zu nehmen, eine ca. zwei Tage kürzere Tour. Also packen wir's an und wandern ein Seitental des Glen Moriston hinauf. Es nieselt übrigens den ganzen Tag: Soviel zur Wetterkenntnis der Einheimischen. Nach einer barfüßigen Flußdurchquerung geht es in Hochlande, wie man sie aus Reiseführern kennt: Ein kalter Wind weht über die steilen, mit Heidekraut überwucherten Hügel, die schroffen Felsen sind mit dickem Moos bedeckt. Vereinzelte, halbwilde Schafe blöken in der Feme. Ein leichter Nieselregen bedeckt die Landschaft, der Himmel ist ein graues Tuch. Das ist Schottland, wie wir es uns vorgestellt haben.

Gegen Abend verlassen wir die Heide wieder und kommen in einen Wald (Es gibt unwahrscheinlich viele Wälder in den Highlands). Dort treffen wir einen verzweifelten Schotten, der mit seinem Auto tief im Morast steckt. Unsere Rettungsversuche bleiben erfolglos, wir können den Wagen um keinen Zentimeter bewegen. Über diese Rettungsaktion vergessen wir die Zeit: It's midges-time, sieben Uhr. Die kleinen Biester kommen in Scharen (schlimmer noch als gestern). Bei jedem Atemzug bekommen wir Dutzende von ihnen in Mund und Nase. Man hat das Gefühl, als wäre man in einem Sandsturm: Myriaden von Mücken klatschen ins Gesicht. Der Kohtenaufbau dauert zwei Stunden: Das Kohtenkreuz wird im Laufen gebunden, das Knöpfen der Planen müssen wir oft unterbrechen um unsere Köpfe in den nahen Bach zu stecken. Diese Nacht machen wir wieder Feuerwache: lieber in der Kohte ersticken als von den Biestern verspachtelt zu werden.

Tagsdarauf betreten wir das Glen Affric. Dieses Glen ist durch und durch bewaldet. Wir treffen in einem drei - Häuser - Nest einen richtigen Bilderbuch - Schotten. Nach kurzem Gespräch stellt sich leider heraus, dass er Belgier ist. Naja, soviel zu Klischees.

Neben den Spuren der Zivilisation, zu der wir an diesem Tage zurückkehren, fällt auch noch der Plodda - Fall auf, ein wildromantisches Naturschauspiel. Schließlich kommen wir nach Tomich, dem ersten ernstzunehmenden Ort seit Fort Augustus (ungefähr so groß wie der Hahn in Lebach). Nach langer Suche dürfen wir auf einer Schafweide unter laut blökenden Schafen nächtigen. Die Kohte steht schnell und ist bis zur Hälfte mit Brennholz für die Nacht gefüllt. Sieben Uhr kommt und geht. Keine Midges. Die ganze Nacht nicht. Anscheinend sind sie alle bei den Schafen, denn die blöken so schmerzerfüllt.

Cannich erreichen wir ohne besondere Vorkommnisse am nächsten Tag. Wir benutzen den dortigen Campingplatz (eine Hälfte) bzw die Jugendherberge (die andere Hälfte). Es wird rücksichtslos geschlemmt: Kuchen, Schokolade, Eis, frisches Obst etc.

Cannich liegt an der Mündung des Glen Affric in das Glen Cannich, das wiederum bei Drumnadrochit und dem berühmten Urquhart Castle in den Loch Ness mündet. Diese Strecke fahren wir auch am folgenden Tag zusammen mit der Sippe einer Pfadfinderinnenschaft aus München, deren Stamm den Namen "Albert Schweitzer" trägt, zurück nach Inverness.

In Inverness verbleiben wir die restlichen Tage. Wir besichtigen die Stadt, gehen ins Museum und kaufen Geschenke und Andenken. Schon am Donnerstag fahren wir wieder nach Hause. Nach einer Nacht in Oostende verbringen drei von uns, Dominik, Nicole und Daniel, den Freitag in Aachen, um auf das Gültigwerden des 35,- DM-Tickets zu warten. Am Samstag betreten wir schließlich heimatliche Erde.

Die Fahrt kann ich, Daniel, leider nicht zu den schönsten zählen. Wir sahen nur wenig von den Highlands, den Atlantik erblickten wir gar nicht. Deshalb ist die Sehnsucht nach Schottland immer noch ungestillt, ich werde mit Sicherheit noch mal dorthin fahren.

Unser Konzept mit den zusammengebundenen Wanderknüppeln als Kohtenstange hat einwandfrei funktioniert. Auch wenn einige von uns das villeicht anders sehen, hole ich bei der nächsten Schottlandfahrt mit einer sippenstarken Gruppe garantiert noch einmal die Kohte mit und keine Zweimannzelte.


aus "Rundschlag" Nr. 20, Herbst 1997 - Artikel ist ungekürzt; nur Layout und Bebilderung sind geändert worden; Unterüberschrift hinzugefüügt.

Konvertierung in HTML: ChrikiTM, September 2000

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